Auf der Basis eines Berichtes von Klaus Herold

In den Jahren 1941 bis 1943 wurde im Auftrage der Kriegsmarine in der Altmark, nordöstlich der Stadt Kalbe an der Milde, ein Längstwellensender errichtet. Nach einer Bauzeit von nur 27 Monaten erfolgte die Inbetriebnahme im Frühjahr des Jahres 1 943. Er war der leistungsstärkste und der einzige in dem Bereich von 15 bis 60 kHz durch- und abstimmbare Sender des aus sieben Längstwellensendern bestehenden Netzes zur Führung der deutschen Unterseeboote während des Zweiten Weltkrieges. Dieser Sender hatte eine Hochfrequenz-Leistung von 1 000 kW. Alle bis dahin bekannten Anlagen dieser Art wurden von seiner Sende- und Strahlungsleistung um ein Mehrfaches übertroffen. Wohl aus diesem Grunde und wegen des notwendigen hohen Aufwandes wurde er »Goliath« genannt. Die eigentliche Sendertechnik und die Konzeption der Antennenanlage stammte von der Firma C.Lorenz in Berlin-Tempelhof und wurde unter der Leitung des Dr. -Ing. Fritz Gutzmann entwickelt, gebaut, montiert und in Betrieb gesetzt. Der Leiter der Sendestelle war der Marine-Funkamtmann Karl Wrackmeyer. Über seine Mitarbeiter sind bisher nur vage Angaben bekannt geworden, sie setzten sich aber aus Portepee-Unteroffizieren und Beamten der Marine zusammen.

Mit dem Sender »Goliath« stellte man die Verbindungen zu den deutschen Kriegsschiffen und Unterseebooten, die in fernen Weltmeeren operierten, aber auch zu festen Funkstellen der damals mit dem Deutschen Reich verbündeten Staaten her. Im Gegensatz zu den Kurzwellen, die in ihrer Ausbreitung stark von den Tages- und Jahreszeiten abhängig sind, waren mit diesem Sender sichere, zuverlässige und weltumspannende Funkverbindungen möglich.

Der »Goliath« arbeitete im Frequenzbereich von 15 bis 60 kHz, das entspricht den Wellenlängen von 20 bis 5 km, wobei die Hauptbetriebswelle des Senders 18.150 m war, analog der Frequenz von 16,53 kHz. Er war vorwiegend für den Tastfunk oder Morse-Telegraphie vorgesehen, konnte aber auf den Frequenzen über 30 kHz mit dem Hellschreiber (Faksimile), einer besonderen Art des Funkfernschreibers, und ab 45 kHz, wenn auch mit eingeschränkter Sprachqualität, mit Telefonie moduliert werden.

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Bei einer maximal abgestrahlten Leistung von 900 kW war die Antennenkreis-Leistung des Senders 1000 kW, das entspricht einem Antennenwirkungsgrad von 90% bei 60 kHz, während dieser Wirkungsgrad noch 47% bei der längsten Welle von 20 km (15 kHz) erreichte.

Um diese Leistungen sicher zu beherrschen und die notwendige Effektivität zu erreichen, war die Antenne das Hauptproblem bei der Konstruktion und dem Bau des Senders. Sie sollte einen möglichst hohen Wirkungsgrad besitzen, also eine maximale Leistung bei wenig Verlusten abstrahlen. Das erforderte eine besondere Lösung, die sich von den bisher üblichen Antennenkonstruktionen völlig unterschied. Es wurde das Konzept der mehrfach abgestimmten Antenne gewählt, wie es in den Grundzügen von Alexanderson bereits in den Anfangsjahren der Funktechnik vorgeschlagen worden war, jedoch bis dahin aber nach nie so richtig realisiert wurde. Der Grund dafür ist wahrscheinlich das Fehlen der notwendigen und geeigneten Steuereinrichtungen für die Betätigung der abgesetzten Antennen-Abstimmittel. Beim »Goliath« wurden dafür weitgehend fernbediente Motorantriebe verwendet.

Die Antenne bestand aus drei Dachflächen, die in Form von symmetrischen Sechsecken miteinander verbunden waren. Getragen wurden sie an ihren Eckpunkten von 15 geerdeten Stahlgittermasten von 170 m Höhe. Die Mittelpunkte der drei Sechsecke stützten je drei 203 m hohe Rohrmaste, die an ihren Fußpunkten durch zwei übereinander angeordnete Isolatoren gegen Erde isoliert waren. Zur Potentialsteuerung waren die Isolatoren durch einen Metallkragen getrennt, der gleichzeitig als Regenschutz diente.

Dieser Fußpunkt-Isolator soll selbst bei Regenwetter spannungsfest bis 300 kV gewesen sein. Die Rohrmaste wurden über Antennen-Abstimmspulen, die in einem 20 m hohen Haus unmittelbar neben dem jeweiligen Mast aufgestellt waren, mit dem Erdnetz verbunden und so auf die Sendefrequenz abgestimmt. In der Mitte des Dreiecks, das von den Seiten der drei Sechsecke gebildet wurde, stand das Sender-Betriebsgebäude, das den Sender mit allen Hilfseinrichtungen sowie die Hauptabstimmspule in dem sogenannten Variometerturm enthielt. Von dort aus wurde die Antenne, jedes Dreieck getrennt, mit je einer zweidrähtigen Zuführung gespeist.

Jede der Antennenabstimmspulen hatte eine Höhe von 5 m und einen Durchmesser von 3,5 m sowie ein Gewicht von insgesamt 5000 kg. Die äußere Spule war mit schaltbaren Abgriffen versehen und hatte eine Wicklung aus Hochfrequenzlitze von 7 x 50 mm² Querschnitt. Zur Induktivitätsänderung und damit zur Abstimmung wurde eine Tauchspule verwendet, die, bei einem Durchmesser von 3,2 m, aus 42 getrennten Kurzschluß-Windungen – Hochfrequenzlitze 1 0 mm2 – bestand. Diese senkrecht stehende Tauchspule kannte in ihrer Höhe durch einen ferngesteuerten Präzisionsantrieb mit einer Genauigkeit von 0,1 mm eingestellt werden. Die Gesamtscheinleistung der Antennen-Abstimmspulen war etwa 500.000 kVA.

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